Seit über 20 Jahren darf ich, das Jesuskind aus der Krippe in St. Ludgerus, in der Adventszeit jeden Tag ein anderes Kind mit seiner Familie zu Hause besuchen. Am Heiligen Abend legt mich das Kind dann stolz in die Krippe. Endlich bin ich dann bei Mama und Papa.
Sehr viel habe ich in den letzten Jahren erlebt. So viele unterschiedliche Familien kennengelernt. Ich durfte Geburtstage oder Namenstage mitfeiern. Das könnt ihr auf dem Bild sehen. Der Keks war übrigens sehr lecker.
Ich lernte einen Nikolaus kennen der den Kindern Geschenke brachte und auch mich begrüßte.
Am Adventskranz wurden Kerzen angezündet, was ich auch noch nicht kannte und dabei schöne Lieder gesungen. Manchmal ein bisschen schräg, aber immer mit viel Freude. Sonntags besuchte ich mit der Familie die heilige Messe, das war für mich schon langweilig, deshalb kam ich dann auf den Arm des Beschützerkindes was mich freute.
Allerdings habe ich auch einmal einen Unfall gehabt. Einen meiner Finger habe ich verloren. So musste ich mit einem Pflaster in die Krippe gelegt werden und der Finger wurde bis zum nächsten Jahr repariert.
Marlene Berner
Ich bin eine Krippe!
Das musste, glaube ich, ja mal gesagt werden, weil ihr das vielleicht auf den ersten Blick gar nicht erkennt, oder?
Aber es kann auch sein, dass einige mich wiedererkannt haben: vor einigen Jahren hatten die Mädels aus der Vorbereitungsgruppe dazu aufgerufen, Krippendarstellungen einzusenden und meine Besitzerin hat doch tatsächlich mich ausgewählt.
Damals hat sie natürlich ein paar weise Worte formuliert, heute darf ich (endlich) mal selbst sprechen!
Was soll ich sagen? Ich könnte stundenlang erzählen…….
Aber eine Situation ist mir besonders im Gedächtnis geblieben:
Meine Besitzerin war jahrzehntelang Religionslehrerin an einer Gesamtschule, was nicht immer einfach war. In der Adventszeit hat sie sich mehr und mehr bemühen müssen, den Kindern und Jugendlichen etwas davon nahezubringen, was Weihnachten eigentlich wirklich bedeutet: das Fest der Geburt Jesu‘ und nicht das Fest der zahlreichen Geschenke.
In einem Jahr hat sie zu diesem Zweck MICH mitgenommen und vorne auf dem Pult aufgebaut. Die Gesichter hättet ihr sehen sollen! Und erst die Kommentare: „Sind die Klötzchen aus dem Kindergarten?“ „Wo haben Sie das denn her?“ „Das ist doch keine Krippe!“
Warum denn nicht?
„Unsere Krippe zuhause sieht ganz anders aus!“
Ach, ihr habt eine Krippe!
„Ja, klar, was denken Sie denn? Wir sind doch katholisch!“
Und was heißt das?
Nun, was soll ich sagen: die Kiddies hörten gar nicht mehr auf zu erzählen, was sie an Weihnachten so alles drauf haben in ihren Familien: sie bauen ihre Krippe auf (die schöne alte mit den Holzfiguren), sie gehen in den Gottesdienst (wenigstens einmal im Jahr, DACHTE meine Besitzerin), sie besuchen die Oma (nicht nur wegen des Geschenks versicherten sie), sie lesen aus dem Essener Adventskalender (den haben sie in der Schule bekommen)……
Und meine Besitzerin war so baff, dass sie mich in dem Jahr glatt zuhause unter dem Tannenbaum aufgebaut hat, als Erinnerung daran, dass es ganz, ganz viele Arten von Krippen geben kann und ganz, ganz viele Möglichkeiten , das Fest von der Geburt Jesu‘ zu feiern…..
Ein gesegnetes Weihnachtsfest wünscht euch und euren Familien
„Die Klötzkes-Krippe“
Elisabeth Hartmann-Kulla
Los Nr. 13
Ich bin ein Spitzendeckchen, mit viel Liebe und Goldfäden gehäkelt.
Nicht von meiner aktuellen Besitzerin, sie hat nach eigener Aussage zwei linke Hände, aber wenn ich mich richtig erinnere (immerhin bin ich schon einige Jahrzehnte alt), war es eine ältere Dame aus der Gemeinde St. Pius in Bochum-Wattenscheid.
Wie ich dann in die Hände meiner derzeitigen Besitzerin kam?
Das kam so:
Handarbeiten war ein Hobby meiner Schöpferin, nennen wir sie mal liebevoll Alma. Sie hat die ganze Familie bestrickt, behäkelt, benäht…viele Jahre lang. Bis sie dann zu alt, zu müde, zu erschöpft wurde und letztendlich friedlich verstarb. Ihr Wunsch war es, als eine der Ersten im Kolumbarium St. Pius beigesetzt zu werden. Ich glaube, das ist 10 Jahre her.
Ihr Mann, nennen wir ihn mal Paul, hat sehr gelitten unter dem Verlust von Alma.
Ein wenig Trost fand er im monatlichen Trauercafé am Kolumbarium, wo er oft der einzige Mann war und auch mal weinen und klagen durfte. Die Witwen um ihn herum trösteten ihn gerne.
Eines Tages, es war Anfang Dezember, hatte Paul eine grandiose Idee:
Er beschloss, mich und meine zahlreichen Deckchen-Geschwister mit zum Trauercafé zu nehmen, um uns zu verschenken. Aber nicht einfach so.
Liebevoll packte er jedes einzelne Exemplar in Papier, schrieb eine Zahl darauf und veranstaltete recht froh und durchaus fröhlich eine Verlosung!
Was soll ich sagen: meine derzeitige Besitzerin, ein Mitglied im Arbeitskreis Trauerpastoral, zog Los Nr. 13, nämlich MICH! Juchhuuuuuu!
Und seitdem gehöre ich zur alljährlichen Weihnachtsdeko!
Elisabeth Hartmann-Kulla
Natürlich wird in mir im Winter Feuer gemacht und ich bemühe mich das Zimmer gemütlich warm zu halten.
Aber die meiste Freude habe ich daran, in der Adventzeit den Kindern der Familie zuzusehen, wie sie spielen, Geschichten zuhören und Weihnachtslieder singen.
Dann kribbelt es plötzlich auf dem Dach an meinem Rauchabzug und durch meinen langen Schlund bahnen sich Nüsse und kleine Süßigkeiten, wie Maoam-Bonbons oder Schokokugeln, den Weg nach unten.
Sie schleudern durch meine große Öffnung ins Zimmer.
Es gibt jedesmal ein großes Erschrecken und eine Riesenfreude.
Die Weihnachtszwerge und Weihnachtsengel haben gesehen, wie lieb die Kinder waren und konnten sie zur Belohnung überraschen.
Manchmal, aber nur ganz selten, habe ich das unbestimmte Gefühl, dass der Vater oder Großvater ganz zufällig die Hand in der Hosentasche hatte. Er hat sie aber in einem unbedachten Moment schnell herausgezogen.
Ich weiß nicht, ob er – ganz eventuell – von den Engeln und Zwergen als Helfer eingestellt wurde.
Gabi Timmermann
Wie komme ich in den Adventskalender?
Als meine Besitzerin fragte ob sie bei der Vorbereitung mitmachen darf und was sie dazu mitbringen soll, kam die Antwort: Einen Esel, Zimtsterne und Lametta fürs Haar.
Der Esel war vorhanden, Zimtsterne und Lametta im August war eine Herausforderung. Aber backen geht ja immer. Also wir dann los zum 1. Treffen. Mit dem Lametta im Haar sorgte es schon für einen Lacher bei der Sekretärin. Aber da mussten wir durch.
Der Esel kommt schon im Evangelium vor. Er trägt die schwangere Maria auf ihrem Weg nach Nazareth, er trägt sie und das Jesuskind bei der Flucht nach Ägypten und dann zieht er mit Jesus in Jerusalem ein.
Ich hab anscheinend wichtige Vorfahren gehabt.
Meinen Job nehme ich sehr ernst, ich beobachte die ganze Vorbereitung und passe auch auf die selbst gebackenen Zimtsterne auf.
Marlene Berner
Manche von euch kennen oder besitzen eine meiner Kolleginnen. Aber es gibt heutzutage auch Menschen, die mich gar nicht kennen oder viel schlimmer noch, die sich über mich lustig machen. Und so geht es mir da, wo ich schon Jahrzehnte wohne. Früher, als die Kinder noch klein waren, fanden sie es schön, dass der Tannenbaum mit einer schönen silbernen Spitze endete. Das sah doch viel eleganter aus als die struppigen kleinen Äste am Ende des Stammes.
Aber die Zeiten sind vorbei. Heute rufen sie, gemeinsam mit der Enkelschar: „Papa, Opa, leg das hässliche Ding wieder in die Kiste!“ Was bleibt ihm angesichts dieses vielstämmigen Votums anderes übrig als mich wieder in die Weihnachtskiste zu legen? Da liege ich nun und höre aus der Ferne das weihnachtliche Treiben. Aber ich darf nicht mehr daran teilnehmen.
Maria Friese
Ich bin ein Zeichen des Friedens, nämlich eine Kerze, und zwar eine Kerze der E-Klasse. Da leg ich besonderen Wert drauf. E, wie: elektrisch, exquisit, edel, enorm, entzückend, exakt, ehrlich usw., usw.. Ich will mich nicht selbst beweihräuchern, aber, ich bin, was ich bin, nämlich eine E-Klasse. Allerdings bekam mein Selbstbewusstsein in der Weihnachtszeit vor einigen Jahren einen ziemlich dicken „Knacks“. Und das kam so.
Ich hab eine echt nette Menschen-Familie. Wirklich. Zwei Rentner, nennen wir sie Heinz und Helga, mit zwei Söhnen, einer Tochter und den Ehe- und Lebensabschnittspartnern. Dazu kommen drei Enkelkinder. Bei Heinz und Helga ist es ‚uso‘, dass das jüngste Enkelkind das Jesuskind in die Krippe legen darf. So weit, so gut. Die Krippe war einige Tage vor Heiligabend aufgestellt und mit Heu ausgelegt; Maria, Josef und ganz viel Viecher waren eingezogen. Und nun will ich endlich zum Punkt meines „Knackses“ kommen. Als das Enkelkind das Jesus-Kind einziehen lassen wollte, erklärte Helga, dass das Kind noch nicht geboren sei und erst an seinem Geburtstag am 25. Dezember in die Krippe gelegt werden könne. Das kleine Mädchen verstand nichts mehr. Es war alles für den Einzug vorbereitet und schließlich hatte Maria schon die Hände nach ihrem Kind ausgestreckt, um es in den Arm zu nehmen. Heinz musste einschreiten! Mit der Erklärung, dass das Jesuskind das Licht der Welt sei und, dass eine Kerze ein wunderbarer, na, sagen wir mal, Platzhalter für den kleinen Jesus sei. Heinz holte mich aus dem Schrank und stellte mich in die Krippe zwischen Maria und Josef. Und da wusste ich, weshalb ich eine E-Klasse war. Diesen Platz hatte ich mehr als verdient. Meine Meinung! Nur das Mädchen sah das etwas anders: Für das Licht der Welt eine batteriebetriebene Kerze? Ohne echte Flamme? Jetzt war Helga dran: Aber du weißt doch, dass man keine offene Flamme unbeaufsichtigt in kleine Räume stellen darf. Weil das Mädchen großen Respekt vor Feuer hat, war sie mit dieser Erklärung und mir einverstanden.
Habe beschlossen, dass ich ab sofort eine Kerze der F-Klasse bin: Ich stehe und leuchte für den Frieden in den Familien und auf der ganzen Welt. F, wie: freundlich, fröhlich, festlich, einfach faszinierend, fantastisch. Meine Meinung!
Eva Limbeck
Hallo, mein Name ist Tomte.
Ich komme eigentlich aus Skandinavien.
Ok, ihr seht auf diesem Bild nur mein zu Hause, welches ich einen Monat im Jahr ein paar Kindern zeige, die fast genauso viel Blödsinn im Kopf haben wie ich.
Aber von Anfang an:
Ende November fange ich an, bei einer Familie in Herten eine Baustelle einzurichten. Nach einigen Tagen steht diese tolle Zaubertür auf dem Sideboard im Wohnzimmer.
Die Erwachsenen und Kinder können hinter dieser Tür nur die Wand erkennen, aber in der Nacht, wenn alles schläft und der Zauber wirkt, kann ich mich durch sie hindurch schleichen und den Kindern kleine Streiche spielen.
Mit Knallerbsen unter den Schuhen, bunter Milch im Kühlschrank, in Geschenkpapier eingepackten Butterbroten in der Brotdose für die Schule, Geschenkband als Schnürsenkel in den Schuhen oder kleinen Aufgaben versüße ich den Kindern die lange Vorweihnachtszeit.
Mama und Papa der Kinder haben immer ein Augenverdrehen und ein „Ach, der Tomte wieder“ übrig, aber die Kinderaugen strahlen und freuen sich auf jeden Streich und jede Albernheit, die ich plane.
Gabi Timmermann
Vor ein paar Jahren saß die Familie in einem Lokal beim gemeinsamen Frühstück. Es war der 2.Weihnachtstag und ganz viele Frauen Kinder und auch Männer hatten Pullover mit Weihnachtsmotiven an. Manche sehr schön, manche eher kitschig, aber das liegt im Auge des Betrachters.
Der anwesende Mann der Familie machte sich darüber lustig. Das wurde dann meine Geburtsstunde.
Meine Strickerin suchte lange nach einem schönen Muster und passender Wolle. Dann klapperten die Nadeln und ich wuchs so vor mich hin. Ihr hättet mal die Augen meines Besitzers sehen sollen. Damit hat er überhaupt nicht gerechnet. Kennt ihr den Spruch: wer den Schaden hat…. Aber ich finde mich immer noch sehr schön und überhaupt nicht kitschig. Was meint ihr?
Auf jeden Fall bin ich sehr warm und werde zu Weihnachten vorgeführt
Marlene Berner
Mt 11, 2-11
Ich bin das Schilfrohr, das im heutigen Evangelium erwähnt wird:
Eigentlich könnte ich stolz sein, dass eine Pflanze wie ich im Evangelium des Matthäus erwähnt wird. Aber bei genauerem Hinsehen muss ich feststellen, dass mich diese Erwähnung alles andere als stolz machen kann. Jesus sagt: „Was habt ihr sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Winde schwankt?“ Habt ihr schon einmal ein Schilfrohr in der Wüste gesehen?
Ich bin eine Wasserpflanze und dafür bin ich genau richtig konstruiert. Am Wasser ist es immer windig und ich kann dem Wind so begegnen, dass ich nicht abknicke und dann eingehen muss.
Jesus versteht mich falsch, wenn er mich als Beispiel für jemanden nimmt, der beim kleinsten Windhauch einknickt und sich nicht wieder aufrichten kann. Ihr sagt über diese: Sie hat kein Rückgrat.
Es scheint, dass Matthäus keine Ahnung hatte weder von der Vegetation in der Wüste noch am See Genezareth.
Vielleicht gibt es aber auch noch eine andere Erklärung. Herodes, König von Roms Gnaden, wird von den Evangelisten als wankelmütig dargestellt. Und dazu passt dann auch der Hinweis auf die Münze und den Königspalast.
Maria Friese
Im vergangenen Jahr lagen wir in einem groben Sack.
Wir hatten ziemliche Angst. Es war dunkel und kalt. Zum Glück waren wir zu zweit. Wir konnten uns aneinander kuscheln. Plötzlich vernahmen wir ein Wispern. In der dunklen Enge lagen neben uns zwei dicke Einhörner.
Was hatten die denn hier zu suchen?????
Wir grübelten, kamen aber zu keinem Ergebnis.
Nach kurzer Zeit hörten wir ein lautes Klopfen. Eine Tür wurde geöffnet und der Sack wurde mit lautem Juchzen ins Warme gezogen.
Eine tiefe Männerstimme fragte, ob die Kinder denn brav waren. Es wurde gelacht und gesungen.
Und dann wurde der Sack geöffnet. Es wurde hell.
Wir konnten das strahlende Gesicht eines Jungen erkennen. Er drückte uns an sich und schlüpfte mit den Füßen in unseren Bauch. Die Einhörner wurden von einem Mädchen genauso freudig in Empfang genommen.
Den ganzen Winter sorgten wir für warme Füße. Danach war unser Rücken leider durchgescheuert und der Junge stieß mit seinem dicken Zeh an unsere innere Nase.
Ob der Junge und das Mädchen in diesem Jahr wieder so schöne Puschen tragen werden?
Gabi Timmermann
Mt 1,18-24
Ich bin Josef aus dem heutigen Evangelium. Ich bin zwar kein Gegenstand, komme mir aber manchmal so vor.
Welche Bilder von mir kennt ihr?
Als erstes natürlich das Krippenbild: der vor dem neugeborenen Jesus knieende alte Mann.
Eventuell noch den, der auf der Flucht nach Ägypten den Esel führt.
Und natürlich: Josef in seiner Zimmermannswerkstatt. Schöner wird das Bild dann durch die Anwesenheit des heranwachsenden Jesus, der mir „zur Hand geht“.
Ach ja: Josef der Träumer, der im Schlaf die Anweisungen von oben bekommt und diese auch prompt ausführt.
Alle vier Bilder sehen mich in einer Funktion. Und dadurch werde ich zum Vorbild eines fürsorglichen Vaters, nein nur Pflege- oder Ziehvaters. Andere machen mich zum „Patron“ für…Es gibt eine Fülle von Aufgaben, die man mir zugewiesen hat.
Dass ich auch ein Ehemann war, spielt kaum eine Rolle. Das will auch niemand über mich wissen. Es geht nur um meine Funktion. Und dabei wundere ich mich, was die Prediger bei allen möglichen Festen von mir wissen.
Maria Friese
In den 50-60er Jahren hingen meine Vorfahren in fast jedem Weihnachtsbaum Vornehmlich in Gold oder Silber, aber immer zwischen viel Lametta.
Umgeben waren sie von glänzenden Kugeln und echten Kerzen und sie glänzten im Kerzenlicht. Diese Tradition wurde dann abgelöst von sehr bunten Kugeln und wir landeten in der „Weihnachtskiste“ auf dem Speicher. Da ja fast alles nach Jahren wiederkommt findet man uns seit ein paar Jahren in vielen Variationen und Farben auch endlich wieder am Baum.
Mit unseren buschigen und bunten Schwänzchen erfreuen wir uns an dieser neuen Tradition.
Marlene Berner
Gabi Timmermann
Ich bin ein Weihnachtsgeschenk ein Paar Skier und wurde mit großer Liebe und Sorgfalt ausgesucht, denn schließlich sollte ich bald in meinem Element Schnee meiner Skifahrerin und mir große Freude bereiten. Meine Skischuh-Bindung war vom Allerfeinsten und extrem sicher. Ich wurde von meiner Skifahrerin abgeholt und einige Tage später ging‘s in die Berge, ab nach Österreich.
Das Wetter und besonders der Schnee, waren für das Skifahren genial. Meine Skifahrerin und ich waren gut miteinander verbunden. Ich war sehr stolz darüber, Mitglied einer großen Gruppe von Skiern zu sein; immerhin zählte ich zehn Paare. Abends wurde ich in den Skikeller gestellt, wo ich mich ausruhen konnte und morgens nach dem Wachsen meiner Laufflächen waren wir wieder auf der Piste. Ich dachte: Mein traumhaftes Leben!
An Heiligabend ging es für uns selbstverständlich wieder auf den Berg. Am frühen Nachmittag – es fing schon leicht an zu dämmern – wollten alle Skier zum Abschluss des Tages eine sehr steile Abfahrt nehmen. Meine Skifahrerin wollte mich und ihre Gesundheit erhalten, deshalb beschloss sie, die Abfahrt ins Tal mit dem Sessellift zu machen. Um den Einstieg in den Sessellift zu nehmen, mussten wir eine Strecke nach oben kraxeln, es war steil und überall lagen großer Steine. Meine Skiläuferin war vom Aufstieg total erschöpft, war dem Weinen nah und ich wusste auch keinen Rat. Ich dachte, wir schaffen es kaum, den letzten Lift des Tages ins Tal zu bekommen. Und dann geschah für mich und meine Skifahrerin ein Wunder. Im nahegelegenen Lift saß ein Mann, der zur Endstation fuhr und meiner Skifahrerin zurief: Steck die Skier in den Schnee, ich nehme sie gleich mit runter. So wurde ich in den Schnee gesteckt und nach kurzer Zeit wieder gepackt, geschultert und ins Tal gefahren, besser gesagt: gewedelt. An der Liftstation im Tal sahen wir uns wieder, meine Skifahrerin und ich. Unser Retter war fort. Gerne hätten wir uns noch bei ihm bedankt. Meine Skifahrerin sagte zu mir: Siehst du, es gibt sie noch, die Weihnachtswunder.
Eva Limbeck
Ich bin ein Glöckchen und das ist meine Geschichte:
Ich bin ein Glöckchen mit einer langen Geschichte. Ursprünglich bin ich ein Werbegeschenk. Früher (wie lange ist das her?) bekamen Ärzte von den Pharmafirmen noch richtige Geschenke. So kam ich als ein solches eher bescheidenes Geschenk der Firma ‚Dolorgiet‘ in die Praxis von Marias Tante. Irgendwann landete ich dann im Haushalt von Maria. Und da begann dann meine zweite und auch längere Karriere, die bis heute andauert. Ich werde nämlich dazu benutzt, die Kinder und inzwischen auch die Enkelkinder am Heiligabend zur Bescherung zu rufen. Und in jedem Jahr freue ich mich an der Ungeduld von Groß und Klein. Selbst die Erwachsenen sind gespannt. Wahrscheinlich beachten sie mehr die Reaktionen der Kinder als die eigenen Geschenke.
Dann habe ich wieder ein Jahr Ruhe. Das nächste Weihnachtsfest kommt bestimmt und ich hoffe, dass sich alle wieder versammeln und auf meinen Aufritt warten.
Maria Friese
„Bei dir riecht es immer noch nach Weihnachten!“
Dieser Satz hat meine Besitzerin vor ein paar Jahren ganz schön geärgert. Warum? Ich konnte gar nichts dafür, weil ich nur ein harmloses Fläschchen bin und obendrein bin ich noch nicht mal von hier.
Wer bin ich?
Wo komme ich her?
Warum kann ich ein Ärgernis sein?
Ich bin ein Fläschchen, das mal voller flüssiger Seife war, die zu wunderbarem Schaum wurde, sobald man/frau mir kräftig auf den Kopf drückte.
Weit gereist bin ich, bis die Freundin meiner Besitzerin mich im British Shop in Meckenheim erstand und mich an Weihnachten verschenkte.
Und obwohl ich immer leerer wurde, hing der Duft von mistletoes an hollys, bzw, Misteln und Stechpalmen in der Luft.
Ich glaube ja, dass die Menschen das brauchen: Erinnerungsdüfte……Erinnerungen an eine Zeit voller Rituale und mit Geschenken jedweder Art. Und am schönsten sind die nachhaltigen Geschenke, dann ist Weihnachten auch noch Ende Januar……so lange mein Inhalt reicht.
Elisabeth Hartmann-Kulla
Wie ich zur Krippenfigur geworden bin? Das ist nicht so schwer zu erklären. Im Süden Frankreichs, in der Provence, gehören zur Krippendarstellung alle Menschen, die dort leben. Also auch eine Musikerin wie ich mit meinem Tambourin.
Aber wo habe ich meine Hand verloren? Das weiß ich nicht mehr. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich eines morgens ohne die linke Hand aufgewacht bin. Abgesehen von den Schmerzen, die ich empfand, kam mir gleich die Frage, womit ich in Zukunft meinen Lebensunterhalt bestreiten sollte. Die Wunde ist verheilt und ich habe mich darin geübt, mit dem Rest meines Armes Töne zu erzeugen.
Ich darf an der Krippe stehen und das kleine Kind betrachten. Von ihm geht Ruhe und Zuversicht aus. Was wohl aus ihm werden wird? Ob ich das noch erleben werde?
Maria Friese
Klingt gefährlich, bin ich aber nicht! Ganz im Gegenteil!
Ich bin ganz harmlos und werde auch meistens nur einmal, maximal zweimal im Jahr von meiner Besitzerin aus der hintersten Ecke des Küchenschranks herausgekramt.
Warum?
Weil sie mich „nur“ zum Plätzchenbacken in der Adventszeit braucht und dann auch nur für immer die gleiche Sorte: Spritzgebäck!
Schon meine Vorfahren haben in der Familie meiner Besitzerin eine wichtige Rolle gespielt, allerdings hat die Mutter der Familie mehrmals im Jahr gebacken, weil ihre Plätzchen legendär waren und nicht nur die Familie, sondern auch Freundinnen und Freunde beglückten.
Als die alte Dame starb, endete auch diese Tradition….vorerst!
Bis eines Tages in einem großen Supermarkt an der A 40 im Herbst ein Container angeliefert wurde, ausgepackt und mitten im Gang positioniert!
Das waren wir!!!! Die Mitglieder der Familie Fleischwolf!
Meine Besitzerin fühlte sich sofort in ihre Kindheit versetzt und ehe ich mich versah, landete ich im Einkaufswagen.
Was soll ich sagen? Seitdem gibt es wieder Spritzgebäck!
Und weil wir beiden uns bei der Herstellung große Mühe geben, schmeckt es sogar!
Elisabeth Hartmann-Kulla
Ich bin kein echter Tannenbaum. Kein harziger Duft, kein Rascheln, kein Pieksen in den Fingern. Nur Plastik und Draht. Und doch stehe ich jedes Jahr da, festlich geschmückt, im warmen Licht der Kerzen – oder besser gesagt: der bunten Lichterkette.
Ich weiß, viele halten nichts von mir. Mein Mensch hat sich geschworen, niemals einen künstlichen Baum ins Wohnzimmer zu stellen. Sie fand uns seelenlos, zu perfekt, zu… unecht.
Aber nun stehe ich hier – Jahr für Jahr – und höre Lachen, rieche Plätzchenduft und sehe leuchtende Augen. Vielleicht bin ich gar nicht so falsch hier.
Bärbel van de Lücht
Eigentlich sind wir Zwillinge.
Da es in unserem Zuhause nur einen Durchgang zum Wohnzimmer gibt und keine Tür, werden wir zu Beginn der Adventzeit an diesem Bogen befestigt und wie ein Theatervorhang drapiert. So wird das geschmückte Wohnzimmer durch uns sehr schön in Scene gesetzt.
Der Höhepunkt in jedem Jahr ist aber der Abend des 23. Dezember.
Wenn Alles geputzt wurde, der Tannenbaum beleuchtet und geschmückt ist und der Tisch für den nächsten Abend schon einmal schön gedeckt wurde, werden wir beide geschlossen.
Es soll ja Nichts mehr schmutzig gemacht und durcheinandergebracht werden.
Wir werden mit vielen golden Sternen geschmückt. Wir sind sehr stolz und nehmen unsere Aufgabe sehr ernst, niemanden in das Wohnzimmer zu lassen und es vor neugierigen Blicken zu schützen.
Sogar die kleinen Schelme, die hier wohnen, haben Respekt und trauen sich nicht einmal, heimlich zu schlinzen.
Wenn die Familie am Heiligabend aus der Kirche gekommen ist und das Christkind sein Glöckchen geläutet hat, werden wir geöffnet.
Es ist jedes Mal wunderschön, in die leuchtenden Augen der Kinder zu blicken.
Gabi Timmermann
Ich sehe schon, wie einige von Ihnen die Stirn runzeln, von wegen der Haltbarkeit und so. Keine Sorge, ich bin noch gut, also genießbar…..aber vielleicht interessiert es Sie ja, warum ich immer noch – nach einem ganzen Jahr – im Küchenschrank meiner Besitzerin ausharre. Zugegeben: ganz hinten, direkt neben den Tütensuppen von 2023 und dem Süßstoff aus der letzten Diätphase (2008? 2009?).
Ich war im vergangenen Advent einfach über, wie wir hier im Ruhrgebiet sagen, ein Fehlkauf, eine falsche Einschätzung, was die Menge betraf.
Und dann kam ja völlig unerwartet auch noch der Klimawandel…… Wer trinkt schon Ende Dezember bei 15 Grad (im Schatten) Glühwein? Meine Besitzerin jedenfalls nicht, sie gehört eher zu Aperol-Fraktion.
Apropos Klimawandel……im April war es dann richtig kalt, Sie erinnern sich? Pullover wurden wieder ausgepackt, die Heizung kurzzeitig aktiviert…
Das wäre doch mein Einsatz gewesen!!!!!! Ich sah schon den Lichtschein der geöffneten Schranktür am Ende des Tunnels……….
Aber nein, was meint die Dame des Hauses: „Wir trinken doch im April keinen Glühwein! Das passt ja mal gar nicht! Der wird verwahrt!“
Bis wann ich verwahrt werden soll, hat sie nicht gesagt, aber es heißt ja:
„Was lange verwahrt wird…… schmeckt trotzdem noch!“
Elisabeth Hartmann-Kulla
Bild: Werner Friese
Mt 3,1-12
Ich bin die Sandale, die im heutigen Evangelium erwähnt wird:
Johannes hält sich für nicht wert, dem, der nach ihm kommt, die Sandalen auszuziehen. Dieses Verhalten gefällt mir. Zeigt es doch, dass die Sandale eine Fußbekleidung auch für hochgestellte Persönlichkeiten ist. Und so unterscheidet sich Jesus – er ist ja derjenige, der kommen soll – nicht von den Menschen in seiner Umgebung. Und ich, die Sandale, gehöre dazu.
Das hat sich aber mächtig geändert. „Sandale“ ist ein Wort, das in vielen Gruppen nur noch mit Geringschätzung ausgesprochen wird. Interessanterweise betrifft das nur die von Männern getragene Fußbekleidung. Für die Frauen gehört sie zur Mode. Und wenn die Männer noch Socken dazu tragen, nimmt das Gelächter kein Ende.
Ich frage mich, woher diese Gruppen die Berechtigung nehmen, zu entscheiden, wer sich wie kleiden soll. Noch mehr ärgert mich allerdings die Kleingeistigkeit. Habt ihr keine größeren Sorgen als euch über die Fußbekleidung eurer Mitmenschen aufzuregen?
Maria Friese
Da hat sich doch tatsächlich vor ein paar Tagen Herr Wolf gemeldet in diesem wunderbaren Adventskalender!
Naja, so sind sie die männlichen Wesen! Aber ohne mich ist er NIX! Ich gehöre doch dazu! Ich bin nämlich das Rezept vom Spritzgebäck!
Natürlich habe ich viele Geschwister und in fast jedem Haushalt wohnt eins aus unserer Familie und alle glauben, sie seien die Besten! Aber so ist das eben unter Geschwistern!
Allerdings habe ich eine ganz besondere Geschichte (meiner Meinung nach): Ich war nämlich verschwunden!
Wie es dazu kam? Meine ursprüngliche Besitzerin verstarb und das Rezept für ihr legendäres Spritzgebäck war weg! (Herr Wolf berichtete davon!)
Eines Tages traf die Tochter (also meine jetzige Besitzerin) auf dem Friedhof eine frühere Nachbarstochter, Birgit! Die beiden unterhielten sich über ihre Mütter und dabei kam das Gespräch auch auf das Spritzgebäck, das immer großzügig auch in der Nachbarschaft verteilt wurde. Meine jetzige Besitzerin nutzte die Gelegenheit und fragte, ob denn auch das Rezept mal den Weg zur Nachbarin gefunden hätte!
Und siehe da!
Facebook machte es möglich! Ein paar Tage später landete ich als PN (Persönliche Nachricht) im Account (so heißt das wohl) meiner jetzigen Besitzerin!
Und seitdem….was soll ich sagen!? Ich bin ein recht lebendiges (und leckeres) Andenken an zwei Nachbarinnen aus Essen-Kray!
Elisabeth Hartmann-Kulla
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